Unter Büchern

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Sonntag, 23. Juli 2017

Mary Ann Shaffer/Annie Barrows: Deine Juliet


Copyright: Cornelia Conrad
„Ich fand es schon damals und finde es noch heute erstaunlich, daß so viele Leute, die in eine Buchhandlung kommen, nicht recht wissen, wonach sie eigentlich suchen – sie wollen sich nur umsehen und hoffen, ein Buch zu entdecken, das ihre Phantasie beflügelt. Und dann, schlau genug, um sich nicht auf den Klappentext des Verlages zu verlassen, stellen sie dem Angestellten der Buchhandlung drei Fragen: 1. Wovon handelt es? 2. Haben Sie es gelesen?
3. Ist es gut?“ – schreibt Juliet an Sidney.
Es ist gut! Es ist sogar sehr gut! Deshalb habe ich es mit großem Vergnügen gleich zweimal gelesen.
Wovon es handelt?
Von Juliet. Die ist eine erfolgreiche englische Schriftstellerin. Sie ist eine Freundin ihres Verlegers Sidney (schwul) und dessen Schwester Sophie.
Mit ihrem Erfolgsbuch „Izzy Bickerstaff zieht in den Krieg“  ist sie zur Zeit auf Lesereise durch England.
Aber was will sie als nächstes schreiben? Jedenfalls nichts mehr über den Krieg.
Eines Tages erreicht sie der Brief eines gewissen Dawsey von Guernsey.
Er besitzt ein Buch des Autors Charles Lamb, das früher einmal Juliet gehört hat. (Sie schreibt ihm später: „Es war schmerzvoll, mich (davon) zu trennen. Ich besaß zwei Exemplare und brauchte dringend Platz im Regal, aber als ich das Buch verkaufte, kam ich mir wie eine Verräterin vor. Sie haben mein Gewissen beruhigt.“) Dawsey bittet Juliet um die Adresse einer Buchhandlung in London, denn  „es gibt keine Buchhandlungen auf Guernsey, obwohl die Deutschen jetzt abgezogen sind.“ Er möchte mehr lesen von diesem Autor.
So entwickelt sich zwischen Juliet und Dawsey  ein lebhafter Briefwechsel über Bücher. Und deshalb erzählt ihr Dawsey  bald, daß er einem Leseclub auf der Insel angehört: der „Club der Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“ trifft sich monatlich und diskutiert heftig.
Juliet ist hingerissen. Will mehr wissen über den seltsamen Literaturclub, der während des Kriegs gegründet wurde.
Und bald schon schreiben ihr nicht nur Dawsey, sondern auch andere Mitglieder des Clubs über sich und über ihre Leseerfahrungen; die eine war von den „Pickwickern“ begeistert,  eine andere von „Sturmhöhe“, wieder ein anderer hat bei Shakespeare Trost und Halt gefunden.  Und Julie erfährt nebenbei auch eine Menge über das Überleben der Insulaner im Krieg.
Schnell wachsen ihr ihre Brieffreunde ans Herz.
Und deshalb kommt, was kommen muß: Juliet reist (mit klopfendem Herzen!) nach Guernsey und wird vom gesamten Buchclub am Hafen in Empfang genommen. Sie sieht die wartenden Menschen – und weiß genau, wer wer ist. Denn in ihren Briefen haben sie sich präzise und knapp vorgestellt und portraitiert. Juliet, die  an Sidney schreibt, „sie sei in den vergangenen zwei, drei Jahren im Schreiben besser geworden  als im Leben“, hat überhaupt keine Zeit zu fremdeln, sie wird mit offenen Armen  in der Dorfgemeinschaft aufgenommen.
Und jetzt, auf Guernsey, nimmt dieser wirklich entzückende Roman so richtig Fahrt auf.
Es ist ein Roman in Briefen: Juliet schreibt an Sidney; Sidney schreibt an Sophie; Sophie schreibt an Juliet und so weiter. Das ist eine sehr geschickte Idee der Autorin (die übrigens nur so überquillt von britischem Humor – dabei war sie Amerikanerin! – und ihrer Belesenheit!), denn so kann sie ständig die Perspektiven wechseln, muß nicht  ausholen, um zu erklären; wir sind ständig mittendrin in der turbulenten Geschichte voller Witz, Zärtlichkeit – und Tiefgang. Es gibt darin eine sehr anrührende Liebesgeschichte – und es gibt darin aber auch eine sehr traurige. Mehr wird nicht verraten.
„Liebste Juliet“ ist ein zauberhaft schönes Sommerbuch voller Witz, Wärme,  Menschlichkeit und Empathie.
 Und  leider ist es viel zu schnell zu Ende gelesen; denn wenn man erst mal angefangen hat mit der Lektüre und die Personen kennengelernt hat (am Anfang ein klein wenig anstrengend, wer jetzt wer ist, aber das hat sich schnell!), kann man schlecht unterbrechen.
Großer Dank geht hier an Freundin M und ihren Mann, die mir das Buch geschenkt haben. Ohne sie hätte ich es nicht entdeckt. Und das wäre sehr schade gewesen!



Kommentare:

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